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22.06.15: Siedlungsspuren vor der Stadtmauer?

Bodendenkmalpflege untersucht Grundstück für das künftige Coeur Cologne

Das Planungsgrundstück der Allianz Real Estate lag in römischer Zeit in der nördlichen Vorstadt (Suburbium) außerhalb der antiken Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA). Dort erwarten die Archäologen der Kölner Bodendenkmalpflege Siedlungsspuren einer Stadterweiterung über den durch die Stadtmauer vorgegebenen Stadtkern hinaus. In der Nähe sind auch Reste gewerblich genutzter Anlagen wie beispielsweise für die Glasproduktion zutage getreten. Solche Siedlungsaktivitäten begannen in der Regel um die Mitte des ersten Jahrhunderts, erlebten ihre größte Ausdehnung zur Blütezeit der CCAA und endeten zu Beginn gefährlicherer Zeiten um die Mitte des 3. Jahrhunderts, als die Menschen sich wieder in den Mauerring zurückzogen.

Doch auch im 4. Jahrhundert nutzte die Bevölkerung das Gebiet für verschiedene Zwecke wie die Steingewinnung. Während des Baus der Nord-Süd-U-Bahn dokumentierten die Archäologen Grabensysteme verschiedener Militärlager, unter anderem von einem aus der Zeit des Augustus, das in der antiken Literatur überliefert ist und den Anfangspunkt des römischen Kölns markiert. Dieser Befund hat für die Stadtentwicklung eminente Bedeutung und es ist nicht auszuschließen, dass sich auch auf dem Planungsgrundstück solche Spuren finden.

Zugleich bestatteten die Römer ihre Verstorbenen an den Ausfallstraßen außerhalb ihrer Städte entlang der Hauptausfallstraßen. Das gilt auch für den Bereich der aus dem Nordtor führenden Limesstraße nach Neuss, Krefeld, Xanten und Nimwegen. Um diese Straße herum entstand ein Gräberfeld, dessen Ausläufer im Planungsgrundstück liegen könnten.

Im Jahr 1106 wurde Köln im Norden, Westen und Süden erweitert, zum ersten Mal gab es nun eine Mauer, die ein Siedlungsareal außerhalb der römischen Grenzen umschloss. Bis dahin diente die in Stand gehaltene römische Stadtmauer als Schutz. Der wirtschaftliche Aufschwung, der das mittelalterliche Köln seit ottonischer Zeit erfasste, hatte diese Stadterweiterung ausgelöst. Die verkehrsgünstige Lage am Rhein als einer der größten europäischen Wasserstraßen ließ Köln zu einer der bedeutendsten Handelsmetropolen nördlich der Alpen werden. Die Stadterweiterung wurde gegen den Willen des erzbischöflichen Stadtherrn auf Geheiß Kaiser Heinrichs IV. (1050-1106) durchgesetzt. Neben der Mauer gehörten Graben und steinerne Torburgen zur Befestigungsanlage. Das Plangrundstück liegt im inneren Stadterweiterungsbereich namens „Niederich“, daher ist hier mit Spuren frühmittelalterlicher Siedlungsentwicklung zu rechnen.

Die Fläche des Grundstücks für das „Coeur Cologne“ am Breslauer Platz war mit Ausnahme einer kurzen Zeitspanne von der Spätantike bis zum frühen Mittelalter bis heute durchgängig besiedelt. Alle Zeitabschnitte bis zur Vorkriegsbebauung leisten einen Beitrag zur Geschichte der Stadtentwicklung, die die Archäologische Bodendenkmalpflege der Stadt Köln genau dokumentiert, um sie rekonstruieren zu können.